Scarlett Johansson: Snkr oder Perlohrringe?

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de:bug113

rbk, Frühling 2007

An Reebok hatte Adidas schwer zu schlucken. Als rbk soll die Marke wiedererstehen, nicht ganz das Gleiche, aber doch dasselbe. Scarlett Johansson wurde als Geburtshelferin engagiert. Wer hätte je daran gezweifelt, dass es zu den Aufgaben einer Filmschauspielerin gehört, Turnschuhe zu entwerfen? Spezielle Elemente ihrer persönlichen Garderobe hat man übernommen, so eine Auskunft. Auf ihren ausdrücklichen Wunsch hin wurde der Retro-Aztec-Sneaker im Stil ihres Geburtsjahrzehnts, der 80er, gehalten. Abgerundet wird das Ganze von ihrem persönlichen Herzchen-Logo, mitdem sie ansonsten Autogramme versieht.

Dass es in diesem Fall Probleme mit dem Image-Transfer geben würde, haben die Damen und Herren von der Marketing-Abteilung wohl geahnt. Dafür sprechen nicht nur die Hinweise auf den persönlichen Beitrag des Stars, sondern auch die beiden Claims, die beim Bild stehen. Sie sind nicht nur obskur, sondern geradezu verstörend. I AM MORE, heißt es mittig, than a cover story. Rechts unten ergänzt der Texter I AM WHAT I AM. Widerspruch gibt es keinen, aber Grübeln macht es doch. Das Mädchen auf dem Bild, ganz danach sieht es auch aus, scheint existenzielle Fragen zu wälzen. Wer bin ich? Bin ich Adidas, rbk oder Reebok? Bin ich ein Turnschuh?

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Louis Vuitton, Frühling 2007

Scarlett Johansson die zweite, in der beliebten kunsthistorischen Methode der Doppelprojektion. Der Unterschied zur Sneaker-Existenzialistin, deren Transfer-Probleme bis in Bild und Text durchschlagen, könnte kaum größer sein.

Das Mädchen auf dem Bild – ja: die mit dem Perlenohrring – hat kein Problem, sondern eine Handtasche. Ein würdiger Ersatz, ein guter Tausch. Leicht und locker schwebt die Schönheit daher, wie eine Plastiktüte, die der Fahrtwind des Autoverkehrs am Straßenrand in die Höhe weht. Haben wir etwas nicht bemerkt? Gibt es noch etwas im Bild? Haben wir etwas übersehen? Nein, das ist alles. Der Strick. Nein, wir sehen keinen Strick. Wir brauchen nichts weiter, um die Botschaft dieses Bildes zu verstehen. Sie ist ganz einfach.



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