Richard Tuttle & Mario Sorrenti – Eden

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Aus: W Magazine, Nov. 2006

Offenbar schützen auch Kollaborationen mit Künstlern nicht vor einer gewissen Art von Fotografen-Kitsch, der sich ziemlich einfach beschreiben lässt: Die Bilder sind überladen, über-stilisiert, über-bunt, die Bewegungen der Models über-dreht, das Thema über-spannt. Ãœber – oder uber, wie man in Amerika der Einfachheit halber schreibt – ist wohl das einfachste Stichwort für diese Art von Foto-Kitsch-Ästhetik, die man auf Wettbewerben ebenso antrifft (auch und gerade bei den Gewinnern) wie in den einschlägigen Fachmagazinen.

Eine doppelte Negation kann in dem Fall zu etwas Positivem zurückführen. Dieses eine Bild unterscheidet sich von den übrigen der Strecke auf eine nicht ganz so einfach zu benennende Weise. Es zeigt in seinem irrlichternen Gehabe ein Ganzes, eine Komposition, die das Motiv räumlich aufhebt. Zwar leuchtet die Figur deutlich heraus, aber sie besitzt dennoch keinen Ort. Zwar sind die Farben bunt wie überall sonst, aber sie kleiden den Körper. Das ist beim Rest der Strecke durchweg nicht auf vergleichbare Weise gelungen. Sonst sieht man Schatten, halbe Räume, falsche Unschärfen. Man sieht Models, die in bunten Lichtern zwischen dekorativen Requisiten herumsitzen. Nichts davon hier. Das eine Motiv ragt hervor und wurde wohl auch deshalb zum Cover des Magazins erwählt.



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